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Traditionen kennenlernen

Um die Schönheiten des  Val d’Aran zu entdecken, bedarf es nur Zeit und Lust. Sein reiches kulturelles Erbe erschliesst sich dem Besucher auf den ersten Blick, ob zu Fuss oder mit dem Fahrrad.

Entdecken Sie bei einem Streifzug durch die Dörfer das Alltagsleben der Einheimischen, ihre Bräuche und ihre Sprache. Um ihre althergebrachten Traditionen besser zu verstehen, sollte man an einem der Volksfeste, die auf das Leben der Bergbauern zurückgeht, teilnehmen. Feste, wie Eth Haro in Les und Eth Taro in Arties, die zur Sonnenwende mit einem Feuer, bei dem der Stamm einer Tanne verbrannt wird (Zeichen der Reinigung des Grund und Bodens), uns daran erinnern, wie sich hier das Leben vor Jahrhunderten abgespielt hat. 

Das traditionelle Leben

Über Jahrhunderte hinweg haben Haus und Familie die Basis des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens im Val d’Aran dargestellt. Ein aranés, der zu einem bestimmten Haus gehörte, konnte automatisch am Gemeindeleben partizipieren und hatte Anteil am Gemeindegut, was sein Überleben sicherte. Eine Hausgemeinschaft war durch die vier folgenden Elemente charakterisiert:

• Eine Stammfamilie oder Familie mit zahlreichen Mitgliedern (drei Generationen).
• Materielles Erbgut: Wohnung, Installationen und Grundstücke.
• Immaterielles Erbgut: Name des Hauses, Kollektivrechte, politische Position und Leumund.
• Landwirtschaft oder Viehzucht.

Das Familienoberhaupt repräsentierte Haus und Hof vor dem Volk. Dieses Recht wurde von Generation zu Generation auf nur einen Sohn übertragen: den Erben. Die anderen Söhne durften im Haus wohnen bleiben, wenn sie alleinstehend waren. Wer auszog, bekam seinen Erbanteil. Einer der Söhne wurde in der Regel Geistlicher.

In jedem Dorf gab es einen Rat, der sich aus den Familienoberhäuptern formierte, und der die Vielzahl der Gemeindegüter verwaltete (Bergweiden, Wälder, Mühle etc.). Auf politischer Ebene waren die Dörfer der 6 Terçons (Gemeindebezirke) im Conselh Generau (Allgemeiner Rat) vertreten, der höchsten Instanz im Val d‘Aran.

Da die landwirtschaftlichen Erträge gerade dazu ausreichten, um die notwendigsten Bedürfnisse einer Familie zu decken, mussten Basisprodukte aus der Umgebung importiert werden. Maultiertreiber mussten die Ware über die Bergpässe ins  Val d‘ Aran  transportieren. Die Jungtiere des Viehs (Schaf, Rind und Pferd), das Verpachten der Weideflächen und die Nutzung der Wälder stellten unverzichtbare Einnahmen dar. Dennoch sahen sich viele Aranesen gezwungen, Haus und Hof für Monate zu verlassen, um zu überleben.

Industriezweige in der Vergangenheit

In Verbindung mit den Resourcen der traditonellen Wirtschaft und mit dem Zweck, bestimmte Produkte zu gewinnen und herzustellen (Holz, Mehl, Käse, Stein, Schiefer und Kalk für das Baugewerbe) haben sich über Jahrhunderte hinweg (Kunst)handwerkliche Berufe und bestimmte Industriezweige entwickelt.

Einige Produktionen konnten am heimischen Herd geleistet werden. Bei anderen mussten spezielle Anlagen gebaut werden (Mühlen, Sägewerke, Kalköfen, Webereien, Wollfabriken etc.) Viele dieser Industrien haben sich bis Mitte des 20. Jhdt. die heimischen Flusswasser zu Nutze gemacht, um Energie zu erzeugen.

Ende des 19. Jhdt. wurden  im Rahmen der industriellen Revolution zahlreiche Zink- und Eisenbergwerke eröffnet, die gleichzeitig aufwendige Infrastrukturen schafften, um die Mineralien und Materialien zu befördern und zu reinigen (Seilzüge, Loren, Reinigungsanlagen und Minen).

Museen

Industriedenkmal

Unantastbares Kulturerbe

Aktivitäten-Kalender

Das Val d’Aran hält mit seiner Sprache, den Festen, Traditionen und Legenden seine Kultur lebendig. Das Aranés, die Sprache des Val d’Aran, ist eine okzitanische Sprache und entstammt einem Dialekt aus der Gascogne, der im Südwesten Frankreichs verbreitet ist. Momentan wird Aranés als offzielle Sprache im Val d’Aran und in ganz Katalonien anerkannt.

In der Johannisnacht am 23. Juni feiern die Dörfer von Les und Arties (in entgegengesetzten Winkeln des Arantals gelegen) die Sonnenwende mit einem grossen Feuer, in dem sie den Stamm einer Tanne verbrennen. Die Volksfeste des Haro oder Taro sollen seit jeher zur Reinigung des Grund und Bodens dienen.

Bekannt ist auch das Fest von Santa Creu in Salardú am 3. Mai, an dem sich die Einwohner und Gläubigen der umliegenden Dörfer des Naut Arán mit Prozessionskreuzen versammeln. Desweiteren die Semana Santa (Osterwoche) von Bossòst und die Prozession nach Montgarri (2. Juli), bei der sich alljährlich Aranesen und Einwohner aus den benachbarten französischen Tälern zu einem Stelldichein an diesem idyllisch direkt am Fluss Noguera Pallaresa gelegenen Heiligtum einfinden.